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Liebe Freunde, Interessierte und alle, die schon ein Stück Weg mit mir gegangen sind,
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Willkommen zu einem neuen Lebenszeichen.
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Es ist mitten im Sommer. Mein Garten tut sich schwer. Er scheint jeden Tag zu stöhnen. Ich lebe im sogenannten Seeland im Kanton Bern. Es ist fruchtbares Land mit schwarzer Erde und endlosen Feldern voller Weizen, Mais und Zuckerrüben.
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Seit Ende Mai hat es bei uns tatsächlich nur an einem einzigen Tag geregnet.
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Die zwei Hitzewellen führen dazu, dass die Weizenkörner gar nicht ansetzen.
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Kolben…? Der Mais ist jetzt kaum gewachsen und hat schon braune Blätter.
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Und die Zuckerrüben? Sie schrumpfen jeden Tag nur so vor sich hin.
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Ich schaue die Wälder an und entdecke ganze Bäume, die ihre Blätter verloren haben oder ausgetrocknet sind.
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Ist euch aufgefallen, wie viel um uns gerade stirbt?
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Auch bei mir im Garten sieht es aus wie eine Wüste.
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Aber ich weiss: auch in einer Wüste hat es Leben.
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Und die Wüste hat krasse Gegensätze. Wie unsere Emotionswelt.
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Hast du schon einmal so fest gefühlt, dass es fast weh tut? Zum Beispiel ein Lachanfall mit Tränen, der nicht aufhört? Oder eine Nachricht bekommen, nachdem man nur die Seele ausschreien möchte?
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Musik löst bei mir extreme Emotionen und Gefühle aus. Es ist ein wichtiger Teil meines Lebens. Jeder Lebensabschnitt hat sozusagen einen anderen Soundtrack. Nach grossen Veränderungen merke ich, dass es eine Art Musikzäsur gibt.
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Kürzlich hat einer meiner Lieblingsmusiker, SHA, zusammen mit Stuart Bogie ein neues Album herausgebracht. Es heisst „Moraines“. Das Album höre ich den ganzen Tag in Endlosschlaufe.
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Zug: Zürich–Bern. Als ich in meiner Musik nach SHA suche, stosse ich auf sein (episches!) „Monbijou“. (Für die Nichteingeweihten: Er spielt INNERHALB der Monbijoubrücke in Bern – was zu einer besonderen Akustik führte. Eine kleine Hörprobe gibt’s hier: https://sha-music.bandcamp.com/album/monbijou.) Als ich das im Kopfhörer höre, werde ich einfach überwältigt. Ich habe das Lied sicher drei Jahre nicht mehr gehört.
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Nennen wir es Selbstschutz.
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Es nimmt mich zurück in eine andere Zeit. Vor meinen geschlossenen Augen kommen Bilder von Wanderungen, Essen, Trinken, ein Gesicht, ein Lachen, Ferien, Freunde, Kunst, Konzerte, Diskussionen, späten Nächten, dem Heimlaufen im Morgengrauen, Busfahrten und anderen Zugfahrten… Schöne Erinnerungen werden zu einem strudelnden Wirbel und fliessen mir davon.
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Und ich weine nur so vor mich hin. Mitten im Zug. An einem Dienstagmorgen im Juli.
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Mein Partner Nik gibt sein Geschäft an der Münstergasse 16 nun in 10 Wochen auf. Am 1. Oktober ist nichts mehr von seinen 30 Jahren Anwesenheit übrig. Im Moment erlebt er sehr viele Gefühle – sein Herz bricht, weil er seine Leidenschaft aufgeben muss. Er ist wütend, dass die Zeiten sich ändern und er mit seinem Geschäftsmodell nicht mithalten kann. Er trauert um seinen Lebensabschnitt und all seine Erinnerungen. Er verliert viele soziale Kontakte, die einen grossen Teil seines Lebens waren. Ein Triumpfgefühl erlebt er höchstens, wenn wieder eine Schachtel gefüllt, verpackt und gezügelt ist.
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Ein Geschäft aufgeben, das man 30 Jahre geführt hat, ist ein Verlust. Verlust schmerzt. Aber Verlust und das dazugehörende Gefühl von Trauer läuten auch Veränderungen ein. Mit 70 Jahren blickt Nik auf viele Veränderungen und Verluste zurück. Nun beginnt ein weiterer Lebensabschnitt – einer, den er nie für sich gesehen hätte.
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Und irgendwann wartet auf uns alle noch die letzte Veränderung: der eigene Tod.
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Ich verlasse euch mit einem Zitat, das mich seit meiner Jugend begleitet:
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"Das Leben sollte mit dem Tod beginnen, nicht andersrum: Zuerst gehst du ins Altersheim, wirst rausgeschmissen wenn du zu jung wirst, spielst danach ein paar Jahre Golf, kriegst eine goldene Uhr und beginnst zu arbeiten. Anschliessend geht's auf die Uni. Du hast inzwischen genug Erfahrung, das Studentenleben richtig zu genießen, nimmst Drogen, säufst.
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Nach der Schule spielst du fünf, sechs Jahre, dümpelst neun Monate in einer Gebärmutter und beendest dein Leben als Orgasmus."
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Bis dann, von meinen Knochen zu deinen, wünsche ich euch gute Zeiten.
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