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Liebe Freunde, Interessierte und alle, die schon ein Stück Weg mit mir gegangen sind,
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Kürzlich gesehen bei meinem Morgenlauf: ein junges Mädchen springt vergnügt vor mir hin und her zwischen Blumen und Grabsteinen. Ihre Grossmutter sitzt auf einer Bank unter dem Lindenbaum bei der Friedhofsmauer und schaut ihr zu. Der Friedhof als lebendiger Generationenpark.
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Willkommen zu einem neuen Lebenszeichen.
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Neulich war ich beim Bestatter. Ich gehe gerne zum Bestatter. Es gibt immer interessante Diskussionen und Perspektiven. Wir haben über verschiedene Bestattungsmöglichkeiten gesprochen.
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Ein eher neuen Ort zur Aschenausstreuung sind die sogenannten Friedwälder. Biel hat soeben ein Grundstück gekauft für einen Friedwald. Dort kann man sich einen Baum aussuchen und die Asche wird am Fuss dieses Baumes eingelöchert. Kostenpunkt: Fr. 4’900.00. Dafür bekommst du „eine kleine Kennzeichnung mit einem Buchstabencode“ (https://www.friedwald.ch/informationen/). Es gibt kein Namensschild, kein Grabstein, kein Grabschmuck.
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Wenn dein Handy stirbt, ohne ein Backup und du die Koordinaten nicht aufgeschrieben hast...wirst du noch diesen einzelnen Baum erkennen können nach Jahren in einem Wald voller Bäume?
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Öffentliche Abschiede nehmen ab. Die Anzahl der „Abschiede im engsten Familienkreise“ nimmt seit Corona zu. An und für sich ist das völlig ok, wenn du nichts am Hut hast mit einem Grab. Das ist über mehrere Jahre auch ein finanzieller Aufwand, den nicht jeder gerechtfertigt findet.
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Aber was passiert, wenn wir immer mehr materielle, gemeinschaftliche und sichtbare Formen des Todes entfernen? Ich frage mich oft: Was verlieren wir eigentlich, wenn der Tod aus unserem Alltag verschwindet?
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Die Totenwache hat eine jahrhundertealte Tradition. Noch bis Ende des 19. Jahrhunderts war es im deutschsprachigen Raum üblich, Verstorbene zu Hause aufzubahren und bei ihnen zu wachen. Familienmitglieder wuschen den Verstorbenen, zogen ihn an, legten ihn in den Sarg und schmückten ihn. In Kallnach ging die Leichenbitterin (bis 1994!) von Haus zu Haus und lud alle Dorfbewohner zum letzten Geleit ein. Gemeinsam ging man mit dem Verstorbenen zum Friedhof. Man weinte zusammen und tröstete einander. Der Tod war Teil des Dorflebens und für alle sichtbar.
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Heute nehmen wir unseren Abschied meistens im Spital. Der Verstorbene wird so bald als möglich vom Bestattungsinstitut abgeholt. Die Nachricht vom Tod erreicht Angehörige und Freunde heute oft per E-Mail, SMS oder WhatsApp. Man versucht innerhalb von ein paar Tagen eine Playlist zusammenzustellen (Tipp: «Lieder für eine Beerdigung» auf Spotify eingeben). Im World Wide Web entstehen digitale Erinnerungsorte mit virtuellen Kondolenzbüchern und Gedenkkerzen.
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Wir planen unsere Hochzeiten, Jubiläums- und Geburtstagsfeste mit Familienmitgliedern, Freunden und Bekannten über Monate hinweg.
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Der Bestatter hingegen plant die grösste Feier in unserem Leben innerhalb von 1–2 Wochen. Oft spontan und ohne den Gefeierten gekannt zu haben und ohne irgendwelche Wunschvorstellungen.
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Tag des Friedhofs Samstag, 19. September, 12 – 16 Uhr
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Der Grund eben für meinen Besuch beim Bestatter. Im letzten halben Jahr arbeite ich ziemlich viel an meinem zweiten Plakatprojekt für den Tag des Friedhofs. Dieses Jahr findet es auf „meinem“ Friedhof hier in Kallnach statt. Am Samstag, 19. September, lade ich dich zum Tag des Friedhofs ein, um mit mir über Abschied und Endlichkeit nachzudenken. Ich stehe von 12–16 Uhr auf dem Friedhof Kallnach mit 7 Infoplakaten, 5 Gleichgesinnten und der Bereitschaft, über alles rund um Tod, Trauer und Leichen im Keller zu reden.
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Mit dabei sind: Daniel Gerber (NEO Bestattung, Nidau), Mirjam Köhli (MPD, Mobiler Palliativer Dienst Seeland), René Köhli (Friedhofsgärtner) sowie Jürg Kägi und Dominik von Allmen vom Pfarrteam KIRCHE32.
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Falls ihr in der Nähe von Kallnach seid und einen Herbstausflug machen möchtet, kommt doch vorbei. Weitere Informationen gibt’s hier.
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Seit Jahren sammelte ich die Todesanzeigen von Menschen, die mir lieb waren oder die ich interessant fand. Ich hatte damals die Zeitung Der Bund aus Papier jeden Morgen in meinem Briefkasten. Irgendwann war der Zeitungsinhalt nicht mehr so interessant, weshalb ich auf digital umstellte. Seit einigen Jahren habe ich auch das nicht mehr. Es wurde irgendwie unüberblickbar. Aber ich lese trotzdem gerne Obituaries und bewahre jede Todesanzeige aus Papier – die ihren Weg zu mir findet – auf meiner Ofrenda (Altar) auf. In The New York Times gibt es eine interessante Sammlung: „Overlooked“. „Übersehen“ ist eine Reihe von Nachrufen auf bemerkenswerte Persönlichkeiten, über deren Tod seit 1851 in der „Times“ nicht berichtet wurde.
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Seit 1727 werden in der Schweiz die Verstorbenen der Gemeinde in sogenannte Totenrödel verzeichnet. Ich möchte nun meinen eigenen Totenrödel mit euch teilen. Bei jedem Lebenszeichen gibt’s somit ein Todeszeichen.
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Das werden die Menschen sein, die ich kannte, die mir nahestanden – oder auch nicht. Auch bekannte Menschen, die mich inspirieren, beflügeln oder zum Denken anregen, werden dabei sein. Junge, Alte, Männlein, Weiblein, ohne Gender. Vor 1000 Jahren gestorben oder vor 10 Stunden. Global versteht sich. Es gibt vielleicht noch ein Stichwort dazu.
Wenn ich die Namen schreibe, halte ich nochmals inne und GEDENKE:
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Béla Tarr, 6. Januar 2026, Filmemacher von zweieinhalb Stunden langen Filmen, in denen fast nichts geschieht
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Frederick Wiseman, 16. Februar 2026, Dokumentarfilmer
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Dr. med. Jürg Peter Scheidegger, 13. März 2026, Götti
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Bis dann, von meinen Knochen zu deinen, wünsche ich euch gute Zeiten.
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Wenn du dieses Lebenszeichen weitergeleitet erhalten hast und künftig selbst eines empfangen möchtest, kannst du dich hier eintragen.
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