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Einzelne rote Mohnblume zwischen grünen Weizenhalmen im Frühsommer.

Liebe Freunde, Interessierte und alle,
die schon ein Stück Weg mit mir gegangen sind,


Willkommen zu einem neuen Lebenszeichen.
In letzter Zeit erlebe ich vor allem Triumpf- und Gemeinschaftsgefühle.
Aber schön der Reihe nach.

Am 7. Mai 2026 durfte ich nach etwa drei Monaten intensiven Schreibens meine schriftliche Abschlussarbeit einreichen. Vielleicht fragt ihr euch, was genau lernt Frau, um zertifizierte Trauerbegleiterin zu werden? Da kann ich sagen: ganz VIEL!

Zuerst stand ein Praktikum mit ersten Praxisbegleitungen im Pfarrhaus und einem schriftlichen Abschluss. Ich lernte die Grundlagen des Gefühle.Leben.Lernen.® Modell und die Umgang mit den fünf Gefühlsebene 💖 💧 🟢 .

Es folgten Selbsterfahrungen und Reflexionen, Aussprachen, zwei sechswöchige Begleitungen mit Supervisionen sowie Community-Treffen, um schliesslich die fachliche und persönliche Auseinandersetzung mit alldem in einer rund 40-seitigen schriftlichen Abschlussarbeit zusammenzufassen. Ich war erledigt!

Sie wurde ausgewertet, und ich bin jetzt ganz stolz zu sagen, dass ich nun zertifizierte Gefühle.Leben.Lernen.® Trauerbegleiterin bin.

Meine schriftliche Arbeit fängt so an: „Ich sehe mich als Wissenschaftlerin, und meine Erfahrungen und Gefühle sind in einem Glaskäfig eingesperrt. Ich kann sie durchleuchten, von allen Seiten betrachten, und in diesem Akt erhoffe ich mir, besser zu verstehen, wie ich trauere (to mourn) und wie ich Trauerarbeit (to grieve) selbst bewältige.“

Es ist mir jetzt deutlich geworden: die Gespräche über Leben und sein Ende sind nicht dieselben Gespräche wie über die Darstellungen des Todes in der Kunst und deren Wirkung auf einen Menschen. Wenn der Tod unmittelbar ins Leben tritt, brauchen Menschen Unterstützung in sehr konkreten Fragen: Warum bin ich wütend? Wie lange dauern diese Verlustgefühle? Darf ich die verstorbene Person waschen und kleiden? Will ich einen Grabstein oder eine Grabplatte? Wie sieht eine Beerdigung aus?

Solche Fragen betreffen das unmittelbare Leben und können den Alltag eines Menschen unter Umständen völlig auf den Kopf stellen. Gespräche über Kunst bewegen sich dagegen meist auf einer anderen Ebene. Sie gehören eher zur ästhetischen Auseinandersetzung mit dem Tod. Die Trauerbegleitung hingegen begegnet dem Tod als existenzieller Begegnung mit Verlust.

Somit stellen sich für mich zwei weitere zentrale Fragen: Welche Haltung brauche ich als Trauerbegleiterin dafür? Und wie kann ich meine künstlerische Perspektive mit der Praxis der Trauerbegleitung verbinden?

Trauerbegleitung ist nicht einfach eine Begleitung für Menschen in Trauer. Sie ist Lebensbegleitung. Die Gefühlsebenen existieren in uns allen, jederzeit; nur haben wir oft keinen Zugang mehr zu ihnen. Wir haben verlernt, auf unsere Gefühle zu vertrauen, so wie wir auch der Natur nicht mehr vertrauen und sie nicht mehr wirklich kennen. Dennoch sind wir ein Teil davon.

Wenn wir unsere Trauer annehmen, eröffnet sich in uns eine Schwelle zu unseren eigenen Kraftquellen und Ressourcen. Ich bin überzeugt, dass wir merken werden, dass das Hier und Jetzt (und wir selbst) genug sein kann, wenn wir den Tod wieder in unseren Alltag einladen.

Was das bedeuten kann, zeigte mir kürzlich eine Begegnung an einem Dorfanlass in Golaten, wo ich das Haus der Übergänge vorstellen durfte.

Kürzlich hatte ich eine Begegnung an einem Dorfanlass in Golaten, wo ich das Haus der Übergänge vorstellte. Eine Frau schreitet zum Tisch, liest meine Broschüre und schaut mich prüfend an. Sie findet das gut, wenn die Gesellschaft mehr über den Tod reden könnte. Ihr Sohn sei dort drüben auf dem Friedhof begraben. Er wäre dieses Jahr 21 geworden. An dem Tag, an dem er starb, fand man einfach das Auto im Flussgraben, und er war tot. Niemand wusste was passiert war. Sie weiss es bis heute nicht. Und sie fand niemanden, mit dem sie darüber sprechen konnte. Ich sagte: „Genau deswegen komme ich hier ins Dorf, und versuche mit den Menschen über den Tod ins Gespräch zu kommen.“ Sie schaute mich direkt in den Augen und sagte: „Ich weiss. Deshalb erzähle ich dir meine Geschichte. Weil wir auch über die Verstorbene reden sollen.“
Bis dann,
von meinen Knochen zu deinen,
wünsche ich euch gute Zeiten.

Renée

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