Wenn Worte verstummen, sprechen Dinge.

Das leise Sprechen der Dinge
In den Spuren des Alltags liegt Erinnerung:
Ein Tuch, das nach ihr duftet.
Eine Tasse, die er immer benutzte.
Ein Foto, das ein ganzes Leben enthält.
In diesen Spuren liegen keine starren Schatten, sondern lebendige Verbindungen, die uns leise begleiten.
Manchmal ist es eine Farbe oder ein Lied. Oft ist es etwas, das man gar nicht benennen kann und doch fühlt.
Erinnerungsarbeit heisst: behutsam zu sammeln, was Bedeutung trägt, zu ordnen, was sich verloren hat, und zu gestalten, was uns nah bleibt. Es ist ein stiller Akt der Liebe und der Selbstfürsorge.
Ein Journal als Gefäss der Erinnerung
Gemeinsam gestalten wir ein Erinnerungsbuch oder Trauerjournal, das Platz bietet für alles, was du bewahren möchtest: Lieblingsessen. Lieblingsfarben. Orte, Tiere, Sätze. Die Eigenheiten, die ein Mensch hinterlässt – und die uns weiter begleiten. Ich unterstütze dich dabei, passende Fotografien auszuwählen, persönliche Texte oder kleine Rituale einzufügen. Es entsteht: ein Bild aus Dingen, die blieben – etwas, das sichtbar bleibt und dich durch die Zeit trägt.
Vielleicht gab es etwas, das die verstorbene Person gesammelt hat? Muscheln, Knöpfe, Postkarten, Schrauben? Diese Relikte können auch in meine Urnenkunst auf Auftrag einfliessen: Ein Fragment, ein Symbol, ein Stück gelebtes Leben – eingebettet in eine Form, die über den Moment hinaus Bestand hat.
Als mein Partner schwer erkrankte, begann ich für uns ein grosses Erinnerungsbuch – ein Album mit Spiralrücken, gefüllt mit all den Spuren unseres gemeinsamen Lebens in den vierzehn Monaten zwischen Diagnose und Abschied: Billette, Sticker, Fotos von unseren Unternehmungen. Kurz vor seinem Tod schrieb er mir darin einen Brief, den ich erst nach seinem Sterben las. Danach begann ich, Zeichen einzukleben, die mich an ihn erinnerten – Regenbögen, die plötzlich so zahlreich erschienen, dass wir sagten: Er hat sie uns geschickt. Auch kleine Dinge wie das Ergebnis unseres ersten Canasta-Spiels im neuen Haus fanden ihren Platz. So wurde das Buch zu einem Gefäss, das trägt, erzählt und weiterwächst.
Erinnern heisst nicht festhalten. Es heisst: mitnehmen, was trägt.
Und weitergehen in Verbundenheit.




