Zwischen Leben & Tod.

Renée Magaña mit Tagetes blumen im Hand.

Mein Weg zur Trauerbegleiterin

Ich erzähle hier, wie ich wurde, wer ich bin und warum ich tue, was ich tue: von Kunst, Verlust und dem Leben mit dem Tod.

Leben mit dem Tod
Ich begleite Menschen, die einen Verlust erfahren haben mit Gesprächen, mit Kunst, mit Worten und mit Pflanzen. Ich bin zertifizierte Gefühle.Leben.Lernen.®-Praktikantin für Trauergespräche und befinde mich mitten in der Ausbildung zur Trauerbegleiterin.
Mein Zugang zum Tod ist gewachsen aus meiner eigenen Geschichte aus einer Haltung, die den Tod nicht scheut.

Wurzeln und Haltung
Der Tod begleitet mich, seit ich vierzehn Jahre alt bin. Er ist das Thema meiner künstlerischen Arbeit geworden. Seit vielen Jahren erforsche ich die heiteren Aspekte des Endlichen: Todesrituale verschiedener Zeiten, den Tod in der Kunst und im Alltag, und wie sich Abschiede über Jahrhunderte gewandelt haben. Ich halte Vorträge über die mexikanische Art, mit dem Tod umzugehen, und habe Ausstellungen auf Friedhöfen organisiert.

Vielleicht hat mein offenes Verhältnis zum Tod seine Wurzeln in der mexikanischen Kultur, aus der ich zur Hälfte stamme. Dort ist der Tod kein Tabu. Verstorbene haben ihren Platz im Alltag: beim Essen, beim Erzählen, beim Feiern, auf dem Hausaltar.

Es gibt kein Ausweichen vor der Endlichkeit, sondern ein tiefes, lebensbejahendes Miteinander von Tod und Leben. Für mich gehört der Tod selbstverständlich zum Leben und dieses Verständnis möchte ich weitergeben.

Martin und das bewusste Sterben

Die persönlichste Erfahrung mit dem Tod war der Abschied von meinem Mann, Martin „Mushroom Man“ Möll, der 2019 gestorben ist. Martin und ich waren vierundzwanzig Jahre lang ein Künstlerpaar. Er war Fotograf. Unsere Leben waren verwoben, in der Arbeit wie im Alltag.

Im November 2017 erhielten wir die Diagnose: Lungenkrebs, bereits gestreut. Vierzehn Monate lebten wir zwischen Hoffnung und Abschied. Wir sprachen offen über das Sterben: unter uns, mit Familie und Freunden. Seine Urne, sein Leidzirkular, seine Abschiedsfeier: alles haben wir gemeinsam gestaltet. Ich glaube fest daran, dass genau das der Grund war, warum er so bewusst und friedlich gehen konnte.

Diese Zeit hat mir gezeigt, wie heilsam es ist, sich dem Tod zuzuwenden; nicht als Ende, sondern als Teil des Kreislaufs.
Ich frage mich oft, warum es uns so schwerfällt, darüber zu sprechen. Dabei verbindet uns nichts so sehr wie dieses Thema. Es ist das Einzige, was wir alle gemeinsam haben.

Ein Haus mit offenen Türen

Heute lebe ich in einem alten Pfarrhaus aus dem Jahr 1621. Als ich einzog, wusste ich sofort: Das ist ein Ort, an dem man über den Tod sprechen kann. Etwas in den Räumen, in den Böden, im Garten. Es war, als hätte dieser Ort auf genau solche Gespräche gewartet.

Ich habe in jungen Jahren Gärtnerin gelernt. Ein Garten gehörte immer zu meinem Leben.Die Natur erinnert mich daran, dass Leben Wandel bedeutet, nicht Verlust. Dass etwas vergeht, ohne zu verschwinden. Dass es nicht immer Worte braucht, um zu verstehen.

Immer wieder sagten mir Menschen, wie wohltuend es sei, mit mir über Verlust, Abschied oder das Danach zu sprechen. Diese Resonanz war lange in mir, wie eine Ahnung.

Jetzt ist daraus mein Weg geworden.


Weiterführendes: Interviews, Artikel und Gedanken,
die aus Begegnungen entstanden sind.


Teufel Skeli im Schnee – Titelbild der Fachzeitschrift Eternity, Symbol für Spiel mit Tod, Winter und Erinnerung.

In eternity – dem Fachmagazin für die Bestattungswelt im deutschsprachigen Raum – gewährt Renée Magaña Einblick in ihre Kunst zwischen Diesseits und Jenseits. Mit Urnen, Bildern und Objekten erzählt sie vom Leuchten in der Dunkelheit, von Ritualen, die trösten, und Erinnerungen, die bleiben. Ihre Arbeiten berühren Trauernde und Bestatter:innen gleichermassen – und eröffnen ein stilles, farbiges Willkommen am Rand der Welt. Lesen Sie den ganzen Artikel hier.


Wir reden übers Sterben. Podcast von Elena Ibello.

Im Oktober sprach Elena Ibello mit mir über Kunst, Tod und Verlust.

Als Tochter eines Mexikaners und einer Schweizerin bin ich in Los Angeles aufgewachsen. Schon früh fühlte ich mich dem Umgang mit dem Tod nahe, wie ich ihn in meiner Familie und in der mexikanischen Kultur erlebte.

Vor einigen Jahren starb mein Ehemann Martin. Nach 24 gemeinsamen Jahren begleitete ich ihn durch die letzten 14 Monate — von der Diagnose bis zu seinem letzten Atemzug.

Ich frage mich oft, warum es uns so schwerfällt, über Sterben, Tod und Endlichkeit zu sprechen oder auch nur darüber nachzudenken. Dabei, finde ich, liegt in diesem Thema etwas Verbindendes: Es ist das Einzige, was wirklich alle Menschen auf diesem Planeten miteinander teilen.

Darum höre ich nicht auf, mich mit dem Tod auseinanderzusetzen — und möchte auch andere mit meiner Kunst dazu anregen, hinzusehen, zu fühlen und sich zu öffnen.

Das komplette Gespräch mit Elena Ibello finden Sie hier.

Logo von "Das letzte Stündchen. Wir reden übers Sterben." Podcast von ELena Ibello.

Wiederkehrende Gespräche mit Rebekka Nowak

Kulinarische Traditionen und wie sie die Seele der Lebenden und Toten nähren.

Logo "Die Trauer Wanderin", Rebekka Nowak, Trauer- und Sterbebegleiterin.

Rebekka Nowak ist Trauer- und Sterbebegleiterin, Seelsorgerin und Mutter.

Die Trauer Taskforce lädt immer wieder zu Gesprächen ein, in denen Trauer, Erinnerung und die Kunst des Abschieds neu gedacht werden. Rebekka Nowak ist dabei eine feste, leuchtende Stimme: warm, klar und zutiefst menschlich.

„Wir sind immer noch sehr vorsichtig, wenn es darum geht, die Toten zu ehren, zu feiern und ihnen zu danken. Mein Herzenswunsch ist es, dass sich dieser Umgang öffnet — und die Menschen ihre Angst vor dem Tod verlieren.“
— Rebekka Nowak

In unseren gemeinsamen Dialogen sprachen wir über die Kraft von Ritualen, über Blumen, Fotos, Kerzen und gutes Essen.
Was machen Mexikaner im Umgang mit der Endlichkeit so anders als wir Europäer?
Was können wir von ihnen lernen, um eine bewusstere, farbigere Haltung zum Tod zu entwickeln?

Ganz sicher muss ein Verlust nicht grau und dunkel sein. Er ist schmerzhaft, ohne Frage — doch mit Liebe, Dankbarkeit und nährenden Traditionen können wir das Endliche be•greifen.

Gespräch 2023 ansehen
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Für englische Einblicke in meine Arbeit findest du mich auf Instagram unter @the_grief_weaver

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